PH - Heidelberg

Tandemprojekt „Begleiten statt ausgrenzen“

In Deutschland hat jeder dritte Mensch unter 25 Jahren einen Migrationshintergrund. Dies macht unseren Alltag bunter mit einer Vielfalt von verschiedenen Sprachen und Kulturen. Allerdings bringt dies auch viele Herausforderungen mit sich: Um allen Kindern eine Chancengleichheit zu ermöglichen, muss sich auch das Schulsystem dieser neuen Gesellschaft und ihren Kindern anpassen. Derzeit klaffen jedoch noch große Lücken zwischen den verschiedenen Lebenswelten der Kinder mit Migrationshintergrund und der „Normalbiografie“ von der unser Schulsystem ausgeht.

In unserem jetzigen Schulsystem scheitern Kinder mit Migrationshintergrund leider sehr viel häufiger als andere Kinder: Sie müssen viermal so häufig eine Klasse wiederholen und verlassen die Schule doppelt so häufig ohne jeden Abschluss. Muttersprachlicher Unterricht, Kompetenzen im Unterrichten von Deutsch als Zweitsprache und Unterrichtsmaterialien fehlen.

Dabei stehen Kinder mit Migrationshintergrund vor besonderen Herausforderungen: Neben dem regulären Unterrichtsstoff müssen sie auch noch eine neue Sprache erlernen und sich in eine fremde Kultur einfinden. Oftmals wird dies durch zusätzliche familiäre Probleme erschwert.

Um zu verhindern, dass diese Kinder ihre anfängliche Lernmotivation durch andauernde Frustrationen verlieren und die fachlichen Lücken immer größer werden, ist eine frühe Förderung wichtig.

In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises und dem Interkulturellen Kompetenzzentrum der Pädagogischen Hochschule Heidelberg unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Selle entstand das Förderprojekt „Begleiten statt ausgrenzen“. Im Rahmen dieses Projektes werden Grundschulkinder mit Migrationshintergrund, die auch oft in schwierigen familiären Verhältnissen leben, ein Jahr lang zweimal pro Woche von uns Studierenden der Pädagogischen Hochschule Heidelberg beim Lernen unterstützt.

Ziel dieser Förderung ist die Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache. Dabei stehen sowohl der Schriftspracherwerb, als auch die mündliche Ausdrucksfähigkeit im Vordergrund.

Die Förderung erfolgt in einem Tandem, das heißt jedes Kind bekommt „seinen eigenen“ Studenten. Dadurch entsteht eine enge Bindung und ein Vertrauensverhältnis von dem beide Seiten profitieren können: Die Kinder können sich in einem solchen geschützten Rahmen leichter öffnen, ihnen wird die Zeit gegeben, die sie brauchen um ihre Hemmungen zu überwinden sich in einer fremden Sprache zu äußern.

Sie erfahren, dass sie mit ihren individuellen Vorerfahrungen, Ängsten, Potentialen und Interessen als Mensch angenommen und geachtet werden. Die Förderinhalte und -methoden sind speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.